Geschichten, die sich in Krankenhäusern abspielen, haben selten etwas Gutes. So war es auch am Beginn unserer Geschichte.

Eines Morgens bekam ich einen Anruf, dass mein Sohn auf dem Weg zur Schule von einem Auto erfasst und ins Krankenhaus gebracht wurde. Als ich dort panisch ankam, wurde mir mitgeteilt, dass er im sich gerade im OP befinden würde. Ich war verzweifelt und alleine. Als alleinerziehende Mutter hatte ich niemanden, der mich in diesem Moment stützen konnte.

Obwohl die Operation gut verlaufen war, musste mein Sohn einige Wochen im Krankenhaus bleiben. Er lag mit einem anderen Jungen namens Michael, der auch in seinem Alter war, in einem gemeinsamen Zimmer. Genau wie ich meinen Sohn jeden Tag besuchte, kam auch Rene, der Vater von Michael, jeden Tag vorbei und kümmerte sich rührend um ihn. Auch er war alleinerziehend. Wir unterhielten uns stundenlang über die verschiedensten Themen und verstanden uns richtig gut. Unsere Kinder wurden zu guten Freunden und liebten es ihrer gemeinsamen Leidenschaft, dem Puzzlebauen, nachzugehen.

Aus diesem Grund kaufte ich den beiden dieses große Puzzle, damit sie zusammen daran bauen konnten, während wir Erwachsenen tagsüber in der Arbeit waren. Nach einer Woche, ehe das Puzzle fertig war, wurde Michael aus dem Krankenhaus entlassen. Als ich das erfuhr, stieg Gänsehaut in mir auf. Trotz all der seelischen Qualen und Sorgen um mein Kind in den letzten Wochen habe ich mich jeden Tag darauf gefreut, ins Krankenhaus zu gehen und dort meinen Sohn, Michael und Rene zu treffen. Ich fühlte mich zu ihnen so tief verbunden, dass sie in den letzten Wochen wie eine kleine Familie für mich waren. Ich wusste nicht, wie ich die Tage alleine im Krankenhaus, ohne die anderen beiden, überstehen sollte. Das Gefühl der Einsamkeit und Hilflosigkeit machte sich in mir wieder breit.

Doch schon am nächsten Tag merkte ich, dass ich keinen Tag alleine verbringen musste: Rene und Michael besuchten uns jeden Tag im Krankenhaus. Als mein Sohn einige Zeit später entlassen wurde, war das Puzzle noch immer nicht fertig. Dies geschah erst, als wir ein Jahr später zusammengezogen sind.

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